rav-gedenkstätte

Achter Tag

Das Ziel unserer Radtour gegen das Vergessen Ravensbrück ist erreicht.

Ravensbrück ist ein Ort, wo Trauer und Schmerz der Vergangenheit und Lachen und die Energie junger Menschen von heute gemeinsam existieren.“

Dieses Zitat der Japanerin Naoko hängt über dem Seminarhaus, wo wir vom Bürgermeister der Stadt Fürstenberg Herrn Philips, der stellvertretenden Leiterin der Gedenkstätte Frau Hundertmark und unserer Projektleiterin Frau Meyer begrüßt werden.

Der Bürgermeister erwähnt eine kleine Begebenheit, die sich im April 1945 kurz vor der Befreiung des Lagers ereignet hat, dass nämlich der erste russische Soldat, der das Lager gefunden hat, auf dem Fahrrad gekommen ist. Damit spricht er uns -wie andere auch- seine Anerkennung für die gefahrenen Kilometer aus.

Als erstes bekommen wir das Häftlingskleid von unserer Namensgeberin Erna de Vries zu sehen.

Normalerweise liegt es in einem säurefreien Pappkarton, aber ausnahmsweise trägt heute eine Figurine das Häftlingskleid. Wir erfahren, dass es Frau de Vries sehr schwer gefallen ist, sich von dem Kleid zu trennen, das sie in Ravensbrück zwei Jahre von 1943 bis 1945 getragen hat. Auch der Gürtel bedeutete ihr sehr viel, da sie ihn sehr teuer erkaufen musste, indem sie ihre tägliche Brotration dafür hergegeben hat. Über dem Kleid liegt ein schwarzes Dreiecktuch, in das die Namen der Frauen eingestickt sind, mit denen sie am engsten verbunden war.

Das Dreiecktuch hat sie sich aus schwarzen Stofffetzen zusammengenäht, die auf ihrer Arbeitsstätte herumlagen. Erna de Vries war als Arbeiterin in der Produktion der Firma Siemens eingesetzt, die in Ravensbrück Feldtelefone produzieren ließ.

Natürlich wurden die Arbeiterinnen von Siemens nicht entlohnt, eben so wenig wie die in der Textilfabrik Texled, die unter härtesten Bedingungen SS Uniformen und Häftlingskleidung produzieren ließ.

Es folgen einige O-Töne der Mitfahrer:

„Absolut erschreckend ist der Platz mit dem Krematorium und dem Massengrab. Das Wissen, auf dem Kopfsteinpflaster zu stehen, das unter Blut ,Schweiß und Schlägen von Häftlingen (insbesondere völlig ausgehungerter entkräfteter Frauen) erbaut wurde, ist überwältigend… Man steht keine zwei Meter von dem Platz entfernt, an dem Zig Tausende Frauen vergast und verbrannt wurden… Auch wenn man keins der Opfer persönlich kennt, treibt einem dieser Ort die Tränen in die Augen. Gegenüber steht die Mauer, an der später die überall verstreute Asche vor einem Rosenbeet beerdigt wurde

Ironischerweise liegt direkt gegenüber der Mauer der traumhaft aussehende Röblinsee. Hier treffen zwei Welten aufeinander, auf der einen Seit die absolute Idylle, auf der anderen die Hölle.“

„Wenn man hier steht und darüber nachdenkt, was an diesem Ort Schreckliches passiert ist, wird mir ganz anders. Ich stelle mir die Frauen vor, die geschlagen und gedemütigt wurden. Ich fühle mich trostlos und auch etwas schuldig. Es ist so, als würden die Gefühle der damaligen Häftlinge auf einen übergehen.

„Auch wenn wir hier die Häuser der Aufseherinnen, die Baracken der Frauen und die hohen Mauern sehen, fällt es mir sehr schwer, mir im Einzelnen vorzustellen, wie qualvoll die Tage, Monate und Jahre für die Gefangenen gewesen sein müssen.

Unsere Schülerinnen aus Albanien fragen: Warum sind auch Frauen aus Albanien hier in Ravensbrück gewesen?

Zum Ende legen wir auf dem freien Platz vor der Mauer die von uns mitgebrachten Sonnen ab und formen so aus den kleinen Sonnen eine große. Genau in diesem Moment fällt ein Lichtstrahl auf die Mitte der Sonne.