„Stolpersteine“ – „Wäre er in Auschwitz geblieben, hätte er überlebt…“

„Stolpersteine“ – „Wäre er in Auschwitz geblieben, hätte er überlebt…“

Erna-De-Vries-Schüler säubern Stolpersteine.

Wenn man einfach so die Südstraße in Münster entlang geht, fallen sie eigentlich nicht weiter auf… Die kleinen Steine aus Messing, die in den Bürgersteig eingelassen sind, erinnern an die jeweili- gen Wohnungen Münsteraner Mitbürger, die im Laufe der Nazi-Diktatur deportiert und ermordet worden sind.

Wie auch schon andere Schulen in Münster, beteiligt sich auch die Erna-de-Vries-Realschule an der Aktion „Stolpersteine“ des Vereins „spurenfinden.ev“.

Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 und 10 des Kurses „Auf den Spuren von Erna-De-Vries“ machten sich im Namen ihrer Namenspatronin am 8.Dezember mit Metallreiniger und Schwäm- men auf, die Stolpersteine in der Südstraße wieder zur Geltung und den Münsteranern ins Be- wusstsein zu bringen. Auf den Steinen sind die Lebensdaten und der dokumentierte Verbleib der ehemaligen jüdischen Bewohner verzeichnet.

Beim Säubern und Schrubben kamen viele Fragen, Gedanken und Gespräche auf: Wie konnten die jüdischen Mitbürger einfach so dem Deportationsbeschluss der Nazis folgen? Warum war das Ziel vieler Transporte ausgerechnet Riga? Und: wenn es in einer einzigen Straße schon 16 depor- tierte jüdische Mitbürger gab, wie groß war die Zahl dann in ganz Münster? Fragen, die es noch zu recherchieren gilt…

Sehr nachdenklich wurden die Schüler, und auch die beiden Lehrerinnen, bei den Steinen der Familie Gumpricht. Nicht nur, dass ein dreijähriges Kind unter den deportierten Opfern war. Ein Sohn der Gumprichts war im März 1945 in Buchenwald umgekommen. Das Vernichtungslager Auschwitz, in dem er vorher war, wurde aber schon im Januar 1945 befreit. Das erzeugte große Betroffenheit.

„Wäre er in Auschwitz geblieben, hätte er überlebt“, sagt Justin -„da bekomme ich eine Gänse- haut“.

Jetzt glänzen die Messingsteine in der Südstraße wieder, und sie erinnern die Münsteraner hof- fentlich daran, dass es in den heutigen Zeiten besonders wichtig ist, genau auf die gesellschaft- lichen Tendenzen zu blicken…

Andrea Reiling